Aktuelle Projekte
EU
- Laufzeit: 01.10.2024 - 31.12.2026
- Gefördert von: Europäische Kommission
- Projektleiter: Žarko Vujošević
- https://gewi.uni-graz.at/de/unsere-forschung/drittmittelprojekte/drittmittelprojekte-2024/medieval-serbian-charters-action/
Das Projekt Medieval Serbian Charters Action (MeSeCA) – in Richtung einer digitalen Edition der serbischen mittelalterlichen Herrscherurkunden steht für eine inhaltliche, technische und softwaremäßige Weiterentwicklung der digitalen Datenbank von serbischen mittelalterlichen Urkunden, genannt Diplomatarium Serbicum Digitale (DSD). Das Unternehmen wird am Institut für Digitale Geisteswissenschaften der Universität Graz durchgeführt. Die wichtigsten Zielsetzungen sind die Vervollständigung des Materials, bestehend aus transkribierten Dokumententexten, Metadaten und Abbildungen, sowie seine Umsetzung in eine wissenschaftliche digitale Edition im Einklang mit den gegenwärtigen Standards der digitalen Humanistik.
- Gefördert durch: EU (Europäische Kommission)
- Laufzeit: 16.09.2026 - 30.09.2028
- Projektkontakt: Georg Vogeler; Wolfgang Göderle
Modellierung historischer Landnutzung in der Steiermark: Digital Humanities Methoden für die Analyse von Mensch-Erdsystem-Interaktionen im 19. Jahrhundert Projektübersicht: Dieses interdisziplinäre Forschungsprojekt entwickelt innovative Methoden zur Rekonstruktion historischer Landnutzung in der österreichischen Steiermark zwischen 1820 und 1870. Das Projekt überträgt erstmals Circle Diagram Models (CDMs), die ursprünglich für tropische Regionen Südostasiens entwickelt wurden, auf den mitteleuropäischen Kontext und nutzt dabei modernste Digital Humanities Techniken. Forschungsziele: Das Projekt verfolgt drei Hauptziele: (1) die Anpassung und Anwendung von CDMs für die steirische Landnutzung, (2) die Integration von Machine Learning-Verfahren zur systematischen Auswertung von Archivmaterial und Katasterkarten, und (3) die detaillierte Analyse des frühindustriellen Wandels in der Region. Untersucht werden drei Zeitpunkte: 1820 (Vollendung der ersten Katasterkarten), 1848 (Ende der Leibeigenschaft) und 1870 (Abschluss der Katastererneuerung). Methodologie: Das Projekt kombiniert traditionelle historische Archivforschung mit innovativen digitalen Analysemethoden. Umfangreiche Datenbestände aus dem Österreichischen Staatsarchiv, dem Steiermärkischen Landesarchiv und digitalen Repositorien werden mittels Machine Learning-Algorithmen ausgewertet. Die Zusammenarbeit mit der Digital Humanities Abteilung der Universität Graz ermöglicht die automatisierte Segmentierung von Katasterkarten und Extraktion strukturierter Daten aus historischen Dokumenten. Wissenschaftliche Relevanz: Das Projekt adressiert eine zentrale Herausforderung der Erdsystemforschung: das Fehlen verlässlicher Daten über historische Mensch-Umwelt-Interaktionen. Während globale Landnutzungsmodelle oft an ihrer Annahme kultureller Homogenität scheitern, bieten CDMs einen regionalisierten Ansatz, der lokale Gegebenheiten berücksichtigt. Die Steiermark eignet sich ideal als Untersuchungsgebiet, da hier industrielle Entwicklungen ungleichmäßig verliefen - von subsistenzorientierter Landwirtschaft bis hin zu früher Industrialisierung. Innovation: Erstmals werden Digital Humanities Methoden systematisch in die CDM-Entwicklung integriert. Die automatisierte Auswertung historischer Katasterkarten und statistischer Tabellen mittels Machine Learning beschleunigt die arbeitsintensive Datenerfassung erheblich. Gleichzeitig wird die Übertragbarkeit der ursprünglich für den Globalen Süden entwickelten CDM-Methodik auf datenreiche europäische Kontexte getestet. Erwartete Ergebnisse: Das Projekt wird detaillierte Landnutzungsmodelle für verschiedene "Lifestyles" (zeit- und ortsspezifische Landnutzungsmuster) in der Steiermark generieren. Diese werden als Circle Diagrams visualisiert und ermöglichen quantitative Vergleiche zwischen verschiedenen Zeitpunkten und Regionen. Die Ergebnisse tragen zum Verständnis frühindustrieller Transformationsprozesse bei und demonstrieren die Skalierbarkeit der CDM-Methodik. Gesellschaftliche Relevanz: Neben dem wissenschaftlichen Beitrag wird das Projekt lokale Gemeinschaften über die Umwelt- und Landnutzungsgeschichte ihrer Region informieren. Öffentliche Präsentationen und eine dedizierte Website werden Forschungsergebnisse zugänglich machen. Die entwickelten Methoden könnten zudem für Agronomen und Landnutzungsplaner von Interesse sein.
- Gefördert durch: EU (Europäische Kommission)
- Laufzeit: 01.09.2026 - 31.08.2028
- Projektleiter: Bieber David Florian;
- beteiligt: Georg Vogeler
The EMARCH-ON-DIGIT project aims to explore the ontology of memory and archive in the context of digital preservation and representation of 20th-century wars in Southeast Europe (SEE). It focuses on understanding how institutionalized digital archiving practices influence collective memory and the policies of remembering and forgetting in the digital age. This topic is of major importance as the region's turbulent history in the past century significantly shapes its collective memory, yet the digital archiving practices remain unexplored and not critically investigated from both national and international perspectives. This research addresses the underexplored area and a critical gap within digital memory studies, particularly concerning how institutionalized cultural heritage digital archiving practices in the SEE countries influence collective memory and institutional policies of remembering and forgetting within the broader Europeanization context. Additionally, the project explores the alignment of national digital archives with broader European practices and policies, contributing to the discourse on transnational identity and unity and providing insights into the diversity and inclusivity of digital cultural memory The project will explore the impact of digital archiving on the cultural memory of Southeast Europe, particularly regarding the wars of the 20th century. These conflicts have profoundly influenced collective memory and identity. Given that a quarter-century has passed since the end of the Yugoslav wars, understanding how these events are digitally remembered is critical. Although extensive research has been conducted on war memory and its impact on collective identity and remembering in the SEE region (West 2016; Bădescu 2019; Haxhiaj 2022), there is a notable gap in studies on digital memory in relation to war legacies in SEE (Božović, Trifunović, Bošković 2014).
A study on philology, history and culture based on a digital edition of the treatises
- Gefördert durch: EU Horizon Europe ERC STARTING-GRANT grant agreement No 101039572
- Laufzeit: 01.09.2022 – 30.08.2027
- Projektpartner: Institut für Mittelalterforschung; Österreichische Akademie der Wissenschaften
- Projektkontakt: PI Michaela Wiesinger (michaela.wiesinger(at)oeaw.ac.at)
- Projektverantwortung Graz: Georg Vogeler (georg.vogeler(at)uni-graz.at)
- Geplante Publikation: 2026
Wie entwickelte und verbreitete sich die Praxis der Arithmetik während des Übergangs vom Mittelalter zur Neuzeit? Das ERC-Projekt ARITHMETIC (PI Michaela Wiesinger, ÖAW) untersucht handschriftliche deutsche Rechentraktate von ihrem ersten Erscheinen um 1400 bis zu der Zeit, als gedruckte Rechenbücher zu Beginn des 16. Jahrhunderts leicht verfügbar wurden. Zahlreiche Traktate werden transkribiert, digital bearbeitet und unter historischen, literarischen und linguistischen Gesichtspunkten analysiert. Diese Forschung zielt darauf ab, ein neues Verständnis dafür zu entwickeln, wie sich arithmetisches Wissen und Praktiken des Rechnens im spätmittelalterlichen Europa veränderten und wie sich eine abstrakte und wissenschaftliche Sprache in der deutschen Volkssprache herausbildete.
- Gefördert durch: EU Horizon Europe ERC CONSOLIDATOR-GRANT grant agreement No 101123203
- Laufzeit: 01.06.2024 – 31.05.2029
- PI/Projektkontakt: Bernhard Bauer (bernhard.bauer(at)uni-graz.at)
- Geplante Publikation: 2027
- https://glossit.uni-graz.at
Glossen sind Fingerabdrücke der Gesellschaft, in der Texte verfasst, kopiert und gelesen wurden. Vor allem aber spielen sie eine viel bedeutendere Rolle, als die bisherige Forschung ihnen zugesprochen hat: Sie bieten Einblicke in das mehrsprachige und multiethnische Umfeld der mittelalterlichen Manuskript- und Textproduktion, die die Haupttexte nicht bieten können: Glossen bezeugen aus erster Hand die engen sprachlichen und kulturellen Verbindungen zwischen Inselkeltisch (Altbretonisch, Altirisch und Altwalisisch) und Lateinisch Sprechenden. GLOSSIT erforscht diese Kontakte, indem es Methoden der vergleichenden Philologie und der historischen Linguistik, der digitalen Geisteswissenschaften (handschriftliche Texterkennung, Netzwerkanalyse, Verarbeitung natürlicher Sprache), der (Kultur-)Geschichte und der biologischen Informatik (Anwendung von DNA-Sequenzierungsmethoden auf Glossen) kombiniert.
Projektleiter: Georg Vogeler
Im Webportal „Monasterium.net“ kann man per Stichwortsuche oder ein paar Mausklicks Geschichten über flüchtige Raubritter, Heldentaten, Beihilfe zur Flucht oder religiöse Spaltung von Familien finden. Das Portal mit seinen über 600.000 mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Dokumenten ist aber auch ein Zeugnis für Einheitlichkeit und Vielgestalt der Rechtskultur in Europa. Um diese Geschichten richtig einzuordnen, muss man wissen, was die Menschen in der Vergangenheit in Urkunden festhalten wollten, wie sie das getan haben und wofür sie diese verwendet haben.
Die „Diplomatik“ ist die Wissenschaftsdisziplin, die sich diesen Fragen widmet – und sie gibt es schon seit über 350 Jahren. Die etablierten Methoden reichen aber nicht aus, um die große Zahl an Dokumenten, die seit dem 13. Jahrhundert in Europa entstanden sind, zu bewältigen. Das Projekt „From Digital to Distant Diplomatics“ wird die Diplomatik deshalb in die digitale Gegenwart bringen. Es will alle an mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Urkunden interessierten Menschen in die Lage versetzen, sich im Umgang mit den Dokumenten der jüngsten Entwicklungen im Bereich der Data Science und künstlicher Intelligenz zu bedienen.
Die Computer brauchen dafür viele Beispiele, um zu „lernen“ – und sie brauchen Menschen, die die von Ihnen gemachten Vorschläge interpretieren. Deshalb braucht es eine Umgebung, in der Mensch und Maschine zusammenarbeiten: Die Menschen bringen Ihre Kreativität und die Fähigkeit ein, andere Menschen „zu verstehen“, sowie aus der Erfahrung mit Objekten sinnvolle Erkenntnisse zu ziehen, etwas über die Vergangenheit zu erzählen. Die Maschine kann schnell große Datenmengen verarbeiten und dabei sowohl Regeln anwenden als auch neue Regeln erlernen. Das Projekt DiDip wird eine solche „Virtuelle Forschungsumgebung“ entwickeln.
Das Projekt wird den Nutzen der Forschungsumgebung testen, in dem es europäische Trends und regionale Differenzen in Gestaltung und Gebrauch von Urkunden des 14. und 15. Jahrhunderts untersucht. Welchen Einfluss haben gesamteuropäische politische Institutionen wie die römische Kirche auf regionale Urkundenpraxis? Wie reagieren lokale und regionale Beurkundungspraxis auf die Verbreitung des römischen Rechts unter den Rechtsdenkern Europas? Wie verhalten sich die beiden weiträumig verbreiteten Beglaubigungspraktiken, per Siegel und per Notarsunterschrift, zu einander? Diese Fragen werden beantwortet, indem das Projektteam mit Hilfe von Computer Vision und maschineller Sprachverarbeitung Trends, Brüche, Vereinheitlichungen und Diversifizierungen ermittelt. Die so an den digitalen Repräsentationen der Urkunden gemachten Beobachtungen sollen zu europäischen „Großereignissen“ wie dem abendländische Schisma (1378-1417) oder die große Pest (1348/49) und die ihr folgende Wirtschaftskrise in Beziehung gesetzt werden.
Das Projekt wird vom ERC mit einem Advanced Grant (Laufzeit 2022-2026) gefördert.
International
- Gefördert durch: FWF/DFG Weave
- Laufzeit: 2024-2027
- Projektkontakt: Martina Scholger, Elisabeth Steiner
- https://gams.uni-graz.at/emho
Das EMHo-Projekt widmet sich der Digitalisierung und Analyse eines chinesisch-spanischen Wörterbuchs aus dem 17. Jahrhundert, "Bocabulario de lengua sangleya por las letraz de el A.B.C.". Dieses Manuskript wurde von einem anonymen spanischen Missionar verfasst und bietet einen Einblick in die südliche Min-Sprache, auch bekannt als Hokkien, wie sie von chinesischen Einwanderinnen und Einwanderern im frühen Manila verwendet wurde.
Unser Ziel ist es, dieses historische Dokument als digitale Edition öffentlich zugänglich zu machen. Dazu gehören digitale Faksimiles, eine diplomatische sowie kritische Transkription und eine englische Übersetzung, die mit linguistischen Annotationen wie tonalen Merkmalen und chinesischen Schriftzeichen ergänzt werden. Diese Anreicherungen sollen das Werk für ein breiteres linguistisches Fachpublikum nutzbar machen.
Das Manuskript wird dabei aus drei Blickwinkeln untersucht: Sprachgeschichte, Missionarslinguistik und historische Soziolinguistik. Wir versuchen damit, den Status des frühen Manila-Hokkien, die linguistischen Methoden der Missionare und den sozio-historischen Kontext der frühen chinesischen Migration und des spanischen Kolonialismus in Manila zu begreifen.
Das Projekt nutzt den Standard der Text Encoding Initiative und legt den Schwerpunkt auf eine sorgfältige Transkription und Kommentierung, insbesondere von sprachlichen und tonalen Merkmalen. Der Ansatz kombiniert die Transkription und Aufarbeitung der Quelle mit historischen soziolinguistischen Methoden sowie dem Vergleich mit zeitgenössischen Quellen.
Mit diesem Projekt wollen wir einen Beitrag zur digitalen Dokumentation und Open-Access-Publikation außereuropäischer Sprachressourcen leisten und neue Einblicke in die chinesisch-spanische Lexikographie und die Geschichte der chinesischen Sprache bieten, mit besonderem Augenmerk auf marginalisierte Gruppen.
National
- In Kooperation mit dem Institut für Sprachwissenschaft der Universität Graz
- Förderung: FWF
- Laufzeit: 2026-2029
- Projektkontakt: Elisabeth Steiner, Thea Schaaf
Das Institut für Digitale Geisteswissenschaften und das Institut für Sprachwissenschaft entwickeln und pflegen gemeinsam das Hugo-Schuchardt-Archiv (HSA), eine digitale Sammlung der Korrespondenz, Werke, Manuskripte und der Privatbibliothek des Linguisten.
Das Projekt „Genesis of Knowledge“ baut auf diesen bisherigen Arbeiten auf und untersucht Schuchardts Ansatz zur empirischen Forschung, der sich in seiner Arbeit als Vorreiter in der Kreolforschung widerspiegelt. Manuskripte aus diesem Bereich werden ediert und mit den Briefen und anderen Materialien verknüpft, um seine wegweisende Methodik nachzuvollziehen, die er auch auf andere Forschungsbereiche übertrug.
- Gefördert durch: FWF
- Laufzeit: 02.09.2024 - 01.09.2027
- Projektleiter: Wolfgang Göderle
Forschungskontext Unser Vorschlag basiert auf der Beobachtung, dass die heutige Steiermark zwar ein relativ neues Straßen- und Schienennetz aufweist, das den aktuellen politischen und administrativen Gegebenheiten Österreichs entspricht, dass aber in der Vergangenheit (von der Römerzeit bis ins 19. Jahrhundert) ein altes Wegenetz existierte, das den Verkehr und die Mobilität in und durch diese Region über Jahrhunderte hinweg strukturierte und organisierte. Wesentliche Informationen über dieses antike Straßennetz können dem Franziszeischen Kataster aus den 1820er Jahren entnommen werden. Auch wenn die menschliche Bautätigkeit ab dem späten 19. Jahrhundert dieses Netz erheblich verändert und in weiten Teilen überschrieben hat, ist ein wesentlicher Teil davon in Luftbildern, Satellitenaufnahmen und LiDAR-Daten für das fachkundige Auge sichtbar geblieben. Hypothesen und Zielsetzungen Das Franziszeische Kataster, aufgenommen in der Steiermark 1820-25, enthält sehr detaillierte Informationen über die gesamte Verkehrsinfrastruktur des frühen 19. Jahrhunderts. Unsere Forschungshypothese ist, dass die Informationen im Kataster uns über den größten Teil des steirischen Straßennetzes zwischen der Römerzeit und dem frühen 19. Jahrhundert informieren. Unser Ziel ist es, diese Informationen aus dem Kataster zu extrahieren und ein KI-Modell (PATHFINDER) zu trainieren, um Spuren historischer Straßen in großen Mengen von Forschungsdaten, also Luft- und Satellitenbildern, zu erkennen. PATHFINDER wird dann zu PATHMAKER weiterentwickelt, der in der Lage sein wird, die Logik des historischen Straßenbaus anzuwenden, um unser Wissen über die historische Verkehrsinfrastruktur für ganze Regionen zu vervollständigen. Ansatz Wir planen eine automatisierte Extraktion der im Franziszeischen Kataster gespeicherten Informationen, um mit diesen Daten geeignete Machine- und Deep-Learning-Algorithmen zu trainieren, um ein Werkzeug zu bauen, das a.) historische Straßenabschnitte in großen Mengen von Forschungsbilddaten erkennen kann, und das b.) Straßenverläufe vorhersagen und Straßennetze vervollständigen soll. Das Modell kann auch außerhalb der Region, in der es zuerst trainiert wurde, eingesetzt werden. Innovation Wir liefern verschiedene hochrelevante Ergebnisse: Erstens werden wir der Forschungsgemeinschaft der Historiker und Archäologen eine vollständige und detaillierte Karte (GIS-Layer) der steirischen Straßeninfrastruktur im frühen 19. Jahrhundert zur Verfügung stellen, zweitens werden wir ein Modell für die archäologische Vermessung und Fernerkundung bereitstellen, und drittens bauen wir ein Werkzeug, das leicht auch außerhalb der Region eingesetzt werden kann. Beteiligte Forscher PI Dr. Wolfgang Göderle ist Historiker mit ingenieurwissenschaftlichem Hintergrund und hat bereits das vorherige Forschungsprojekt TAI 591G erfolgreich durchgeführt, in dem Werkzeuge entwickelt wurden, die in MoST wiederverwendet werden können. Dr. Iris Koch ist eine Archäologin mit einem starken Bezug zur steirischen Verkehrsinfrastruktur und großer Erfahrung auf diesem Gebiet. Ass.-Prof. Dr. Roman Kern von der TU Graz ist ein Computer- und Datenwissenschaftler mit umfangreicher Erfahrung auf diesem Gebiet und wird für die technische Herausforderung, die MoST darstellt, verantwortlich sein.
- In Kooperation mit dem Institut für Sprachwissenschaft der Universität Graz
- Förderung: Länder (inkl. deren Stiftungen und Einrichtungen)
- Laufzeit: 01.12.2026 - 30.11.2027
- Projektkontakt: Matthias Scholler, Georg Vogeler
PROVINCIA macht die römische Kaiserzeit digital neu lesbar: Aus der gedruckten Prosopographia Imperii Romani entsteht eine Forschungsdatenbank, die Karrieren, Ämter und Netzwerke römischer Eliten als Wissensgraph erfasst. Das Projekt verbindet Alte Geschichte mit Künstlicher Intelligenz und prüft, ob KI auf einer historisch kontrollierten Datenbasis neue Muster in Verwaltung, Laufbahnen und Beziehungen sichtbar machen kann.
- Gefördert durch: FWF
- Laufzeit: 01.01.2023 - 31.12.2026
- Projektleiter: Roman Bleier
- https://compendium-historiae.uni-graz.at/de/
Petrus von Poitiers (um 1130–1205) verfasst im späten 12. Jahrhundert eine diagrammatische Synopse zur biblischen Geschichte, die meist als Compendium historiae in genealogia Christi bekannt ist. Sie ist für die graphische Darstellung von Geschichte von erstrangiger Bedeutung, denn es handelt sich um die erste historische Synopse, die Universalgeschichte in graphischer Gestalt zur Anschauung bringt. Die komplexen Bild-Text-Verknüpfungen in diesem Werk sind eine Herausforderung für traditionelle und auch moderne (digitale) Editionsmethoden. Das Projekt wird eine digitale Erstedition des Werkes erstellen und dabei methodisches Neuland im Bereich der kritischen digitalen Edition von komplexen diagrammatische Synopse beschreiten und für andere Werke mit ähnlich komplexen Strukturen erschließen.
- Gefördert durch: FWF
- Laufzeit: 01.06.2026 - 31.05.2029
- Projektleiter: Roman Bleier
- beteiligt: Georg Vogeler
- https://compendium-historiae.uni-graz.at/de/
Petrus von Poitiers konzipierte das Compendium historiae in genealogia Christi im Paris des späten 12. Jahrhundert, einer Zeit des intellektuellen Aufbruchs. Das in Form einer genealogischen Graphik angelegte Werk vermittelt in knapper Form einen Überblick über die biblische Geschichte von Adam bis Christus, dabei alle direkten Vorfahren Christi sowie die Abfolgen von Herrschergeschlechtern, Priestern und Propheten repräsentierend. Wie auf einer Zeitkarte ergibt sich so ein synoptisches Bild diachroner wie synchroner Beziehungen von Personen und Ereignissen. Das graphisch innovative Werk verbreitete sich schnell im gesamten lateinischen Westen, sowohl auf Rollen wie in Codices (hier meist als Mitüberlieferung). Bislang sind im Projekt mehr als 320 (darunter viele bislang unbekannte) Handschriften identifiziert. In Phase I wurde die enorme Breite und Vielfalt der Überlieferung in einer Datenbank erfasst, so dass sich nun ein präzises Bild der Transmissionskontexte wie der Werkvarianten ergibt. Wesentlich sind eine “kurze” und eine “interpolierte” Textfassung, die aber in graphisch und visuell äußerst heterogener Form erscheinen, wobei erste Varianzgruppen identifiziert werden konnten. Die frühere, “kurze” Fassung wurde durch eine visuelle Edition (einen navigierbaren Graph mit zwei weiteren Präsentationsschichten zu zusammenhängenden Abschnitten und einzelnen Elementen), einen kritischen Text und einen wissenschaftlichen Kommentar zu graphischen Strukturen, exegetischen Diagrammen und zur historischen und geistesgeschichtlichen Verortung erschlossen. Alle Projektergebnisse werden über ein Online-Portal zugänglich gemacht. Auf dieser Grundlage soll in Phase II das Compendium historiae als “lebendes Werk” betrachtet werden, das in der räumlich und zeitlich ausgreifenden Aneignung eine enorme Breite an Varianz in der graphischen Struktur, den Texten, den Diagrammen und Illustrationen und schließlich dem ikonographischen Programm zeigt. Damit treten auch die Funktionen des Werks für verschiedene Adressatenkreise sowie sein Einfluss und seine Wirkung in den Blick. Vier Ziele werden wir dabei fokussiert verfolgen: (1) Textdimensionen der Referentialität (Quellen, Personen, Orte) aufdecken und die “Texte in Bewegung” durch einen alternativen Navigationsgraphen und Lesungen der Interpolationen edieren. (2) Das variantenreiche ikonographische Repertoire, das sich (nach den weitgehend bilderlosen frühen Abschriften) ab dem 13. Jahrhundert voll entfaltet, erschließen und kunsthistorisch kommentieren. (3) Zusammenhänge zwischen den Adaptionen und Transformationen des Werks und seinen Funktionen bzw. Adressatenkreisen erforschen. (4) Die stemmatologische Analyse textlicher und graphischer Varianz multiperspektivisch vertiefen, wobei innovative Verfahren der automatisierten Text- und Layouterkennung eingesetzt und die Werkstrukturen durch eine formalisierte Repräsentation der Graph-Varianz erfasst werden.
- Gefördert durch: FWF
- Laufzeit: 01.04.2025 - 31.03.2028
- Projektleiterin: Marcella Tambuscio
- beteiligt: Cristina Scuderi
Trotz des insgesamt gesteigerten Interesses konzentriert sich die Erforschung Giuseppe Tartinis weithin auf musikphilologische und aufführungspraktische Aspekte seiner Geigenwerke sowie auf seine Aktivitäten als Musiktheoretiker. Während Tartinis „Schule der Nationen“ mit ihren mehr als 100 Schüler:innen wohl bekannt ist, steht die tiefergehende Kontextualisierung seiner Lehrtätigkeit im Europa des 18. Jahrhunderts noch aus – ebenso wie die Entwicklung eines integralen Zugangs für das Verständnis von Lehrer-Schüler-Verhältnissen innerhalb der je nach Sprachraum oder Musikleben teils stark divergierenden professionellen Umgebungen. Das Projekt basiert auf der These, dass Tartinis ‚Schule‘ eine Vorreiterrolle für ein modernes Konzept musikalischer Ausbildung darstellt. Seine Schüler:innen erhielten vielschichtige Lernangebote für eine bestmögliche Integration in das professionelle Musikleben. Es stellt sich die Frage, inwiefern sich die Schule selbst als Instrumentalschule definierte. Eine Untersuchung der europaweiten Netzwerke von Tartinis Schüler:innen, ihrer Integration in die Musikmärkte sowie die Verbreitung ihrer musikalischen Werke und Traktate wird sowohl didaktische Traditionen der ‚Schule‘ als auch ihre enormen Auswirkungen auf Hofkapellen und Musikmetropolen offenlegen. Mit der Rekonstruktion der ‚Schule‘ im Kontext des Mäzenatentums, der Rezeption von Tartinis didaktischen Materialien und der europaweiten Verbreitung der Tartini-bezogenen Handschriften und Drucke wird das Forschungsteam drei zentrale Bereiche bearbeiten. Sie werden auf einer digitalen Plattform mit prosopographischen Daten aus Archivstudien, Musikkorpora der Schüler:innen und einer digitalen Edition von Tartinis pädagogischen Schriften zusammengeführt. Basierend auf einem durch Linked Open Data angereicherten Factoid-Datenmodell können Karrierewege der Schüler analysiert, musikalische Gattungen und Motive miteinander verglichen sowie Netzwerke oder Verbreitungswege musikalischen Wissens und der Scuola nachgezeichnet werden. Damit entsteht nicht nur eine digitale Ressource zu einer spezifischen ‚Schule‘ oder einer bestimmten Ausbildung und Tradition des Geigenspiels, sondern auch eine kosmopolitische Kartographie. Auf dieser Basis können national konturierte Historiographien einer ‚italienischen‘ oder ‚deutschen‘ Musiktradition weiter dekonstruiert werden. Neben Kooperationspartnern aus den Bereichen Digital Humanities (Grazer Geisteswissenschaftlichen Asset Management System GAMS, Transkribus, RISM) besteht das Projektteam aus sechs etablierten Musikforscherinnen mit komplementären Forschungserfahrungen, Sprachkompetenzen und Netzwerken aus fünf verschiedenen Ländern (Deutschland, Italien, Österreich, Schweiz, Slowenien). Die geplanten Projektoutputs umfassen die digitale Plattform, internationale Workshops, wissenschaftlich informierte Gesprächskonzerte, zwei englischsprachige Publikationen und ein gemeinsames universitäres Lehrangebot.
- Gefördert durch: FWF
- Laufzeit: 01.06.2025 - 31.05.2028
- Projektleiter: Wolfgang Göderle
Das Forschungsprojekt "Running the Brenner Road: Custom Duties & Tolls in 18th C." (Die Brennerroute betreiben: Zoll & Weggeld im 18. Jh.) untersucht den transalpinen Warenverkehr und die Instandhaltung der wichtigen Brennerroute im 18. Jahrhundert. Der Brennerpass stellte eine der bedeutendsten nord-südlichen Handelsverbindungen in Europa dar und konnte aufgrund seiner relativ niedrigen Höhe von 1.370 Metern ganzjährig mit Wagen befahren werden. Das Projekt konzentriert sich auf zwei Hauptaspekte: 1. **Warenaustausch, Zölle und Mautgebühren**: Durch die Analyse von Zollregistern der Stadt Klausen/Chiusa wird der tägliche, saisonale und jährliche Warentransport auf der Brennerroute dokumentiert. Die Quellen liefern Informationen über Warentypen, transportierte Mengen, Anzahl der Pack- und Wagenpferde sowie erhobene Zölle und Mautgebühren. 2. **Transport und Infrastruktur**: Das Projekt untersucht, wie die Brennerroute als transalpine Verbindung instand gehalten wurde. Besonderes Augenmerk liegt auf der Wartung der Straßen und Brücken in einer alpinen Landschaft mit extremen Wetterbedingungen sowie auf der Organisation und Finanzierung dieser Arbeiten. Die Forschung basiert auf bisher unerschlossenen Zollregistern aus dem Diözesanarchiv Brixen, die kürzlich zugänglich wurden. Diese Register bieten eine vollständige Serie von Daten für die gesamte Brennerroute im 18. Jahrhundert und enthalten neben Informationen zu transportierten Waren auch detaillierte Aufzeichnungen über Infrastrukturmaßnahmen und deren Finanzierung. Das Projekt kombiniert quantitative und qualitative Forschungsansätze. Mittels digitaler Methoden werden die historischen Dokumente maschinenlesbar gemacht und in eine Forschungsdatenbank überführt. Diese Datenbank wird später als Open-Access-Ressource für weitere Forschungen zur Verfügung stehen. Die Untersuchung ist von besonderer Bedeutung, da sie die Forschungslücke zum Landtransport schließt, während bisher hauptsächlich der See- und Flusstransport erforscht wurde. Sie gibt auch Einblicke in die tägliche Auseinandersetzung mit der Natur und verknüpft menschengemachte Materialität, alltägliche Transportpraktiken und administrative Prozesse. Darüber hinaus trägt das Projekt zu einem integrativen Ansatz bei, der den europäischen transkontinentalen Fernhandel in den Vordergrund stellt und damit die Vorstellung von "globalisierten Peripherien" hinterfragt, indem es zeigt, dass der atlantische Handel nicht unabhängig von den Land- und Flussrouten gedacht werden kann. Methodisch verbindet das Projekt Ansätze der Wirtschafts- und Sozialgeschichte mit neuen Perspektiven auf Infrastruktur und Materialität. Es betrachtet die Zollstation, Straßen und Brücken sowohl als physische und materielle Orte als auch als empirische Räume, in denen situiertes Handeln stattfand, und als oft umkämpfte Rechtsräume.
- Gefördert durch: FWF
- Laufzeit: 01.11.2024 - 31.10.2028
- Projektleiter: Rafael Schögler
Projektmitarbeiterinnen: Julia Richter, Larisa Schippel, Julia Kölbl, Emma Steinbock, Marcella Tambuscio
Wider research context: The project is based on the results of the international research project Exil:Trans (2019–2022) that investigated the life and work of translators in exile (1933–1945). Post-Exil:Trans consequently focuses on the post-exile experiences of these translators up until 1960, their translatorial entanglements and the post-war fate of texts translated in exile. The project considers exiled translators who stayed in their country of exile after 1945, those who returned to the German speaking countries and those who moved to a third country. The main research context is constituted by scientific, literary, and pragmatic translation practices in and in relation to the early post-war GSA region. This particularly concerns translation policies of the occupying powers, translatorial aspects of the post-war book market transformation, as well as the knowledge transfer “into” the newly formed post-war societies via scholarly translation. Objectives: Post-Exil:Trans starts from the finding of the predecessor project that the experience of exile has generated a discernible translational dynamic in different areas of the literary and academic field. It aims to explore the impact of these phenomena in the post-exile period, i. e. of exiled translators, of their ties to other actors and institutions in the GSA region, and of their products, thus mapping out the constitution of the post-war societies from the perspective of translation history. Approach/methods: The project is rooted in the field of Translation History and combines approaches presently pursued in this sub-discipline of Translation Studies: biographical research on translators as agents and research on translation policy. Additionally, to avoid a narrow nation-centered view a transcultural perspective is applied. Post-Exil:Trans has a strong digital component, with substantial infrastructural continuity to the previous project Exil:Trans. Beside dissemination of research results in open access publications we continue to aggregate biographical and bibliographical data on translators in freely accessible and sustainable online databases (the German encyclopaedia of translators Germersheimer Übersetzerlexikon UeLEX and the Austrian bibliographical database of translations DLBT) as well as in the project's own biographical database Exil:Trans, thus ensuring long-term accessibility. Biographical data are also presented and visualized with the help of Digital Humanities tools. Level of originality / innovation: Post-Exil:Trans aims at producing research results relevant for various disciplines, but also at advancing Translation Theory and History, by critically examining the concept of target culture. With research on translatorial continuities and ruptures occurred in the post-war years, it also will contribute to the general historiography of this period. Primary researchers involved: Project lead: Rafael Schögler (Univ. of Graz); principal investigators: Irene Weber-Henking (Univ. of Lausanne), Andreas F. Kelletat (Univ. of Mainz).
- Gefördert durch: FWF
- Laufzeit: 01.07.2025 - 30.06.2030
- Projektleiter: Wolfgang Göderle
- Projektmitarbeiter: Richard Hadden PhD, Dr. Marcella Tambuscio
In Kooperation mit dem Institut für Computer und Data Science der TU Graz und dem Institut für Geschichte der Universität Wien wird "Unlocking the Schematismus" mit der Zuhilfenahme von Verfahren des maschinellen Lernens die im "Hof- und Staatshandbuch" (Schematismus) der Habsburgermonarchie, erschienen von 1702-1918, enthaltenen Personendaten und Informationen zu Organisationen und Strukturen extrahieren, in eine geeignete Wissensrepräsentation überführen und analysieren.
- Gefördert durch: FFG
- Laufzeit: 13.10.2025 - 30.09.2030
- Projektleiter: Dominik Kowald
- Gefördert durch: ÖAW
- Laufzeit: 01.09.2025 - 29.02.2028
- Projektleiter: Johannes Laroche
Die sich in Europa spätestens ab dem 12. Jahrhundert wandelnde Rolle der Schrift und die damit verbundene starke Zunahme der Schriftgutproduktion im Laufe des Spätmittelalters stellt eine der wesentlichen gesellschaftlichen Entwicklungen dieser Zeit dar. Von einer im Gebiet des heutigen Österreichs noch zu Beginn des 13. Jahrhunderts auf die Geistlichkeit und den hohen Adel beschränkten Praxis entwickelte sich der Schriftgebrauch im Laufe der folgenden Jahrhunderte zu einer zu Beginn des 16. Jahrhunderts alle Teile der Bevölkerung betreffenden Praxis – die sogenannte „pragmatische Schriftlichkeit“ hatte alle Ebenen der Gesellschaft erreicht. Seit über 30 Jahren gehört die Untersuchung von Dokumenten unter dem Aspekt ihrer Entstehung, ihrer Nutzung und ihrer Aufbewahrung zu den zentralen Fragen der Mediävistik und eröffnet neue Perspektiven für die Historischen Hilfswissenschaften. Die in den vergangenen Jahren in der Mittelalterforschung aufstrebenden digitalen Methoden erweisen sich als der Schlüssel zur Bewältigung der umfangreichen spätmittelalterlichen Überlieferung ab. Einen für die Verbreitung der Schriftlichkeit besonders fruchtbarer Boden stellten die mittelalterlichen Städte dar. Parallel zum Prozess der Verschriftlichung verläuft im Gebiet des heutigen Österreichs die Ausbildung eines dichten Netzes an Kleinstädten, die in den vergangenen Jahren verstärkt in das Interesse der Stadtgeschichtsforschung gerückt sind. Auch in diesen städtischen Siedlungen findet man diese enge Verflechtung verschiedenster Gemeinschaftsformen: Geistliche Einrichtungen von Pfarren über Klöster oder klösterliche Lesehöfe, bürgerliche Einrichtungen wie der Stadtrat oder das Bürgerspital, aber auch Vertreter des Landesfürsten, eine jüdische Gemeinde, in der Stadt ansässige Adelige und die große Mehrheit der nicht-bürgerlichen Stadtbevölkerung leben hier und sind durch zahlreiche Formen der Gemeinschaft miteinander verflochten: Bürgerschaft, religiöse Bruderschaften, Nachbarschaft, Verwandtschaft, wirtschaftliche Beziehungen, etc. Wir wissen, dass in diesem Kontext die Schriftlichkeit sich rasch verbreitete – doch wie genau verlief dieser Prozess innerhalb der verschiedenen Bevölkerungsschichten? Das vorliegende Dissertationsprojekt behandelt die beiden eng miteinander verbundenen Städte Krems und Stein als Schauplatz der Verbreitung der Schriftlichkeit im städtischen Raum unter dem besonderen Aspekt der Urkundenproduktion. Dabei sollen nicht nur das Urkundenwesen einer einzelnen Institution, wie etwa des Stadtrates, der Pfarre oder eines Klosters untersucht werden, sondern, soweit es die Quellenüberlieferung erlaubt, die Entwicklung des Urkundenwesens in der gesamten Stadt und über ihre Stadtmauern hinweg in ihrem Umland untersucht werden. Es wird davon ausgegangen, dass die Verbreitung der Schriftlichkeit und somit des Urkundenwesens keineswegs nur getrennt in einzelnen Institutionen verlief, sondern viel mehr zahlreiche Verflechtungen zwischen den verschiedenen Urkundenproduzenten bestanden, dass das sehr umfangreiche und spezialisierte Wissen um die Formulierung, Herstellung und Redaktion einer Urkunde geteilt, verbreitet, nachgeahmt wurde. Es gilt, einzelne Orte oder Personen innerhalb und womöglich auch außerhalb der Stadt als Zentren der Urkundenproduktion zu identifizieren, die Verbreitung des Urkundenwesens innerhalb des komplexen Gemeinschaftsgeflechts „Stadt“ zu verstehen und die Entwicklung dieser Quellengattung zu beschreiben.
- Laufzeit: 01.09.2025 - 31.12.2026
- Projektleiter: Helmut Werner Klug
- beteiligt: Selina Galka
Mit der CLARIAH-AT Kleinprojektförderung soll die Datenpublikation der hyperdiplomatischen Transkription auf dem Editionsportal Hyper ermöglicht werden.
- Laufzeit: 01.07.2025 - 31.12.2026
- Projektleiter: Florian Atzenhofer-Baumgartner
- Projektmitarbeiterin: Elisabeth Raunig
Dieser 3-tägige technische Hackathon bringt 12 Spezialist:innen aus maschinellem Lernen, Software-Engineering und Digital Humanities zusammen, um innovative Ähnlichkeitssuchlösungen für Kulturerbe-Sammlungen zu entwickeln. Anders als typische Workshops konzentriert sich diese Veranstaltung auf die Erstellung konkreter Ergebnisse: funktionierende Prototypen und Open-Source-Implementierungen, die die kritische Lücke in multimodalen Suchfähigkeiten für Kulturerbe-Daten schließen. Technische Ziele Der Hackathon behandelt multimodale Kulturerbe-Daten durch die Entwicklung von Techniken zum Vergleich verschiedener Quellen über Text, Bild und Metadaten hinweg. Schwerpunkte sind die Bewertung und Optimierung von Ähnlichkeitssuchalgorithmen für Recheneffizienz sowie die Untersuchung flexibler Client/Server-Architekturen mit Fokus auf clientseitige Implementierungen. Teilnehmer:innen arbeiten mit realen Daten österreichischer Digital-Humanities-Repositorien, um Innovationen in praktischen Anwendungen zu verankern. Struktur und Teilnehmer:innen Die Veranstaltung erstreckt sich über 3 Tage (Ankunft am Abend + 2 volle Arbeitstage) mit 5-6 vorab identifizierten technischen Spezialist:innen und verbleibenden Plätzen, die durch kompetitive Auswahl aus dem CLARIAH-Konsortium besetzt werden. Das Format kombiniert kollaborative Phasen für Architekturdesign mit spezialisierter Entwicklungsarbeit in kompetenzbasierten Paaren und gewährleistet regelmäßige Integrationspunkte zur Aufrechterhaltung der Modulkompatibilität. Erwartete Ergebnisse Unmittelbare Ergebnisse umfassen einen funktionalen Prototyp für clientseitige multimodale Ähnlichkeitssuche, eine Open-Source-Referenzimplementierung mit Dokumentation und einen Entwurf für ein Positionspapier zur Einreichung bei technischen Publikationsorganen. Langfristige Ziele beinhalten die Integration in bestehende Kulturerbe-Plattformen, Grundlagen für zukünftige Finanzierungsmöglichkeiten und die Entwicklung vollständiger Forschungspublikationen. Budget und Zeitplan Die €5.000 CLARIAH-Finanzierung deckt Reise, Unterkunft, Verpflegung und Materialien ab, ergänzt durch Sachleistungen wie Veranstaltungsort, GPU-Ressourcen und Personalunterstützung. Die Vorbereitung beginnt 6 Monate vor der Veranstaltung, öffentliche Veröffentlichung und Papierentwicklung starten einen Monat nach dem Hackathon. Diese Initiative unterstützt direkt die strategischen Prioritäten von CLARIAH-AT durch Stärkung der digitalen Infrastruktur, Aufbau technischer Kapazitäten und Förderung der Interoperabilität zwischen Kulturerbe-Repositorien bei gleichzeitiger Etablierung nachhaltiger, wiederverwendbarer Frameworks für Suchfähigkeiten der nächsten Generation.
- Laufzeit: 01.07.2025 - 31.12.2026
- Projektleiter: Anke Jaspers
- beteiligt: Georg Vogeler
Das Projekt widmet sich der Digitalisierung und strukturierten Erschließung des Katalogs der Privatbibliothek von Ludwig Achim und Bettina von Arnim aus dem Jahr 1929. Im Zentrum steht ein bislang nicht digital zugänglicher Katalog, der nicht nur bibliographische Angaben enthält, sondern auch den originalen Standort jedes einzelnen Buchs in den Regalen im Schloss Wiepersdorf dokumentiert. Diese außergewöhnliche doppelte Ordnungsstruktur ermöglicht differenzierte Einblicke in historische Wissensarchitekturen und Lektürepraktiken.
- Gefördert durch: FWF
- Laufzeit: 01.05.2024 - 30.04.2027
- Projektleiter: Georg Vogeler
- Projektmitarbeiter: Christopher Pollin, Maximilian Vogeltanz
Mittelalterliche Rechnungsbücher erlauben sehr vielfältige Einblicke, in den Alltag der Mönche ebenso wie in die sogenannte „große“ Geschichte. Und nicht zuletzt werden in diesen Quellen natürlich auch die wirtschaftlichen Angelegenheiten eines Klosters umfänglich dokumentiert. Die Aussagekraft und der Quellenwert dieser Texte ist somit sehr hoch anzusetzen. Rechnungsbücher erlauben zudem vielfach Einblicke, die sonst verwehrt blieben. Oft wurden nämlich – unabsichtlich und daher zumeist umso wertvoller – Ereignisse und Vorkommnisse dokumentiert, die sonst in der übrigen schriftlichen Überlieferung fehlen.
Aldersbach kann dabei als idealtypisches Beispiel für ein bayerisches Zisterzienserkloster während des 15. Jahrhunderts gelten. Zwar ist die Geschichte dieses Klosters selbst vergleichsweise schlecht erforscht, die gute Überlieferung gerade der Rechnungen im 15. Jahrhundert selbst sowie die Tatsache, dass Aldersbach mit rund 80 Bediensteten eine vergleichsweise durchschnittliche religiöse Gemeinschaften war, die es in vergleichbarer Größe hundertfach in ganz Europa gab, lassen das niederbayerische Zisterzienserkloster als geradezu prototypisch erscheinen. (BL) Mittelalterliche Rechnungen sind eine Quelle, deren Edition sowohl paläographische und philologische Präzision als auch hoch strukturierte Datenrepräsentation in mindestens tabellarischer Form benötigt: Ohne „close reading“ der Quelle, um ihre Bearbeitungen zu dokumentieren (Streichungen und Einfügungen) kann die tabellarische Darstellung der Buchungen nicht verläßlich sein. Die unterschiedlichen Fragestellungen, die an die Quelle gestellt werden können, fordert zusätzlich, daß die Angaben in den Rechnungen leicht gefiltert und aggregiert werden können.
- Gefördert durch: FWF
- Laufzeit: 01.03.2023 - 28.02.2027
- Projektmitarbeiter: Richard Hadden PhD, Dr. Marcella Tambuscio, BA.MA. Suzana Sagadin
- Projekthomepage: https://managing-maximilian.net
Der SFB wird die prosopographischen Netzwerke um Kaiser Maximilian I. (1459-1519) unter politischen, kulturellen, literarischen und künstlerischen Gesichtspunkten erforschen. Er wird eine prosopographische Datenbank erstellen und die Beziehungen der in dieser Datenbank dokumentierten Personen untersuchen. Das DH-Teilprojekt baut auf dem aktuellen Stand der digitalen Prosopographie für das Spätmittelalter auf. Das Projekt wird die notwendigen Datenmodelle, Werkzeuge und Infrastrukturen für die Erfassung und Verbreitung der von den anderen Teilprojekten erstellten digitalen Daten aufbauen. Es wird die gesammelten Daten für innovative DH-Forschung in der Modellierung von implizitem Wissen und in der Anwendung fortgeschrittener netzwerkwissenschaftlicher Techniken (zeitliche Graphen, Netzwerkmuster) nutzen.
- In Kooperation mit dem Institut für Kunst- und Musikwissenschaft an der Universität Graz
- Gefördert durch: FWF
- Laufzeit: 2024-2028
- Projektkontakt: Georg Vogeler, Selina Galka
- Projekthomepage: GuDiE – Digital Edition of Gumpenhuber's Theatre Chronicle (1758–1763) (hypotheses.org)
Die Theaterchroniken des Ballettmeisters Philipp Gumpenhuber dokumentieren die kulturellen Aktivitäten des Wiener Hofes - eines Zentrums des europäischen Gesellschafts- und Kulturlebens - in den Jahren 1758 bis 1763. Die digitale Edition der Theaterchroniken zielt darauf ab, neue Einblicke in das komplexe musikalische und soziokulturelle Leben am Wiener Hof zu bieten, indem die Texte in TEI/XML kodiert werden und direkt daraus eine RDF-Datenbank extrahiert wird, um die “performative Wende” in der Musikwissenschaft zu reflektieren. Die digitale Edition verarbeitet die Quelle somit nicht nur mit traditionellen philologischen Methoden, sondern kombiniert die Transkription mit einem Datenbankansatz, der dem Konzept der “assertiven Edition” entspricht. Das Projekt umfasst die Entwicklung eines Datenmodells, das sich hauptsächlich auf die Modellierung von Ereignissen (und im Hinblick auf Performing Arts Ontologies) konzentriert, und mit unterschiedlichen Gegebenheiten umzugehen vermag, wie z.B. mit Wahrscheinlichkeiten und Änderungen zwischen unterschiedlichen Aufführungen. GuDiE strebt danach, getrennte Bände der erhaltenen Quellen zusammenzuführen und die Forschungsmöglichkeiten durch eine digitale Plattform zu erweitern, die einen breiten Zugang zu einer der bedeutendsten Ressourcen über das Wiener Theaterleben erleichtert. Es sollen außerdem unterschiedlichste Visualisierungsoptionen angeboten werden, wie z.B. eine Kalenderansicht.